... und plötzlich schauen alle hin

 

Drei Titel in einer Saison für die VfB-Volleyballer sorgen für sensationelle Öffentlichkeitswirksamkeit

 

Keiner, nicht mal der erfolgsverwöhnte Cheftrainer der VfB-Volleyballer, hätte zu Beginn der Saison 2006/07 auch nur im Entferntesten daran gedacht, was für ein grandioses Ergebnis die Mannschaft acht Monate später ablieferte. Mit dem achten Meistertitel in der Bundesliga machte der VfB das "Triple" perfekt: den Gewinn aller drei Titel, die eine europäische Vereinsmannschaft maximal holen kann. Waren der Pokalsieg und die Meisterschaft durchaus angestrebte Ziele, stand der Sieg in der European Champions League wahrlich nicht auf der Rechnung. Mit dieser Leistung katapultierte sich der VfB aus dem Mittelfel der Top-Teams an die Spitze.

Volleyball Champions League

Sieg bei der Volleyball European Champions League am 1. April 2007 in Moskau



Mit der Champions League-Trophäe bekam nicht nur der deutsche Rekordmeister, sondern auch der deutsche Volleyball die ihm gebührende Wertschätzung in den Medien. Plötzlich widmeten renommierte Magazine wie der Spiegel oder Focus, überregionale Tageszeitungen wie die "Süddeutsche", der "Tagesspiegel," "TAZ" oder gar die Bildzeitung der Volleyball-Szene Aufmerksamkeit und dem VfB und seinen Protagonisten große Geschichten. Und plötzlich wurde Volleyball auch für das Fernsehen interessant. Gut 30 Millionen Fernsehzuschauer in Deutschland erreichten allein die Berichte von der Volleyball-"Königsklasse" zu Hause vor dem Bildschirm - rund hundert Mal mehr als in der vorangegangenen Spielzeit. Eine phänomenale Entwicklung. Zuvor waren die Berichterstattung fein, aber klein: Aufwendig inszeniert waren die Champions-League-Übertragungen von Premiere. Alle Spiele wurden live, mit zehn Kameras in der Halle und Super-Zeitlupen abgebildet. Der einzige Haken: Nur ein kleiner Kreis kam in diesen Genuss, gerade einmal rund 290.000 Zuschauer. Insgesamt versammelte der VfB Friedrichshafen in der Saison 2005/06 in Bundesliga, Pokal und Champions League 3,6 Millionen Zuschauer vor dem Bildschirm.


30 Millionen Fernsehzuschauer

In Frühjahr 2007 präsentierten die Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) und die IFM Medienforschung dem VfB Friedrichshafen ganz andere Zahlen. Solche, von denen die VfB-Verantwortlichen noch Wochen zuvor nur träumen konnten. Allein mit der Berichterstattung über den Final-Four-Triumph in Moskau erreichte der VfB 24,2 Millionen Menschen in Deutschland. Was die Verantwortlichen besonders freute: Sogar in der prestigeträchtigen „Tagesschau" war zu sehen, wie Stelian Moculescu nach dem Matchball gegen Tours auf dem Moskauer Parkett dahinsank. Die Interviews von Moculescu und Jochen Schöps im ARD-Mittagsmagazin (3. April) beziehungsweise „Sport im Dritten" (8. April) waren bei dieser Zahl noch gar nicht eingerechnet.

Fakt ist, dass dem VfB fünf Minuten Sendezeit in der ARD öffentlichkeitswirksam mehr bringen als 54 Minunten im DSF, weil die Öffentlich-Rechtlichen eine viel größere Reichweite besitzen. Eine interessante Statistik belegte dies: Die Zusammenfassung des (Wahnsinns-)Spiels des VfB am 10. Januar 2007 gegen Athen wollten am Folgetag nur 10.000 im DSF sehen. Im Morgenmagazin zählte die GfK bei den acht 17-Sekunden-Berichten und zwei Zwei-Minuten-Berichten 900.000 Zuschauer. Diese TV-Zahlen waren für den VfB in der folgenden Saison ein Pfund, mit dem das Management richtig wuchern konnte. Denn wie weit potente Sponsoren ihren Geldbeutel aufmachen, hängt nach wie vor vor allem von der Reichweite der gebotenen Werbeplattform ab.


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