Älter als der VfB

 

Die Geschichte der Schwerathleten im "Hafen": Vom Ehrenmitglied Graf Zeppelin bis zur Deutschen Ringer-Meisterschaft in Friedrichshafen.

 

Kurios, aber wahr: Die Ringer-Abteilung des VfB Friedrichshafen ist älter als der Gesamtverein! Ein Jahr vor der VfB-Gründung 1909 riefen elf Männer den "Athletenclub Germania" ins Leben, die sich dem schwerathletischen Kraftsport verschrieben - dem Ringen und Gewichtheben. Im Jahr 2008 gibt es beim VfB also das erste 100-jährige Jubiläum zu feiern.

Ringkampf in den 30er Jahren

Ringkampf vor dem Krieg in den 30er Jahren. Der spätere Abteilungsleiter
Theo Grötsch in Aktion auf einer Rosshaarmatte im Strandbad Friedrichshafen



Ein Blick zurück. Aus den ersten Jahren ist nicht sehr viel überliefert, doch eins sticht heraus: In der damaligen Ehrenmitgliederliste des Athletenclubs findet sich der Name Graf Ferdinand von Zeppelin, der Luftschiffpionier. Das legt die Vermutung nahe, dass er selbst ein Faible für den Kraftsport hatte, wenn nicht gar selbst auf die Matte oder an die Hantel ging. Die ersten Trainingsstätten der Schwerathleten waren ein Nebenzimmer des Gasthauses "Hirschen" und der Riedlewald, später eine Scheuer. 1928 kam eine Boxabteilung zum Athletenclub hinzu, ein Jahr später wurde mit Fussballern die "Sportvereinigung 08" aus der Taufe gehoben. 1937 schließlich stieß der "SV 08" zur Turnerschaft 1862 in Friedrichshafen hinzu, womit Strukturen geschaffen waren, die weitere 52 Jahre bis zum Wechsel der Ringer zum VfB beibehalten wurden.

Als Mann der ersten Stunde mag stellvertretend für einige andere Theo Grötsch stehen, der bereits in den 30er Jahren erstmals in der Chronik als Nachwuchs-Athlet auftaucht. Nach dem Krieg war er zunächst Trainer der Schwerathleten, später Abteilungsleiter, der dann bis 1972 die Geschicke der "Muskelmänner" lenkte und schließlich erster Ehrenvorsitzender wurde. In seiner Amtszeit reifte eine Gewichthebermannschaft, die 1962 Meister der Bodenseeliga wurde, aber nicht in die Württembergische Oberliga aufstieg, weil der Verein das finanzielle Risiko scheute. Die Erfolgstruppe löste sich nach und nach aus, was Ringer-Staffel zugute kommt, die bis dahin eher ein Schattendasein fristet. Mit einigen "Kraftpaketen" der Gewichthebermannschaft kam es danach zu ansprechenden Platzierungen in der Internationalen Bodenseeliga, bis die Ringer 1967 erstmals den Aufstieg in die Württembergische Landesliga schafften, wo sich die Staffel einige Jahre - wenn auch nur mit durchschnittlichen Leistungen - hält.

1973 geben die Häfler mit Albert Zwisler das wohl größte Nachkriegstalent der Häfler Ringer-Riege an die Bundesligavereine Freiburg St. Georgen beziehungsweise Untertürkheim ab. Freiburg warb später auch den mittlerweile in Friedrichshafen ansässig gewordenen Otto Köb ab. Beide spielen später aber wieder ein Rolle im Verein - Otto Köb bis heute.

Mit einem Generationenwechsel bei den Ringern 1975 wird die bis dato erfolgreichste Ära eingeleitet. Die neu erbaute Bodenseesporthalle wird zur idealen Kampf- und Trainingsstätte, die die Ringer bis heute nutzen. 1980 gehen die Häfler mit den Lindauer Ringern eine Kampfgemeinschaft ein - mit Erfolg: 1981 wird die Mannschaft Meister und steigt in die Verbandsliga auf, wo sie gleich im Debütjahr Dritter wird. Gleichzeitig gelingt beim Württembergischen Vereinspokal ein vielbeachteter 21:19-Sieg über die Bundesliga-Staffel ASV Schorndorf. Großen Anteil daran hatte Otto Köb, der fortan sowohl das Training in der Abteilung als auch in der Kampfgemeinschaft leitete.

Im 75. Jahr der Schwerathletik in Friedrichshafen trugen etwa 190 Ringer die Freistil-Bezirksmeisterschaften in der Bodenseehalle aus. Drei Meistertitel und Sieger der Vereinswertung waren die Ausbeute. Ein Jahr später wurden erstmals die württembergischen Freistilmeister in Friedrichshafen ermittelt. Auch wenn die Häfler Riege selbst sportlich zu keinem nennenswerten Erfolg kam: Man empfahl sich erneut als exzellenter Veranstalter eines Ringer-Turniers. Was den Ausschlag dafür gab, dass der Deutsche Ringerbund 1985 die die Deutsche Freistilmeisterschaft für das Jahr 1987 nach Friedrichshafen vergibt.

Die fanden am 13. und 14. März in der Bodenseehalle statt, perfekt organisiert und geführt von Abteilungsleiter Joachim Neumann, dem mehr als 60 Helfer zur Seite standen. 134 Aktiven aus 15 Landesverbänden waren in Friedrichshafen zu Gast und fühlten sich sichtlich wohl. 241 Einzelkämpfe standen ganz im Zeichen der Qualifikation der Europa- und Weltmeisterschaften 1987 und dienten dem Bundestrainer gleichfalls als Standortbestimmung für die Olympischen Spiele ein Jahr später in Seoul/Korea. Die Farben der KG Lindau/Friedrichshafen vertraten im Weltergewicht Karl Bänzinger und im Mittelgewicht Herbert Saum. Diese Meisterschafts-Tage in Friedrichshafen bleiben wohl für alle Beteiligten des kleinen Vereins unvergesslich und gehen wohl als einer der großen Höhepunkte, wenn nicht gar als der Meilenstein in die Geschichte des Ringersports am Bodensee ein.